Scaccomotto
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Raimund G. Palm
Vernissage am
Sonntag, 07. November 1999,19.00 Uhr.
Es freut mich sehr
daß Du uns angeklickt hast.
Zu den Bildern, die
an den Wänden hängen möchte ich Dir etwas erzählen. Es handelt sich
dabei um überzeichnete Szenenphotos meines Schachspiels.
50 Tonfiguren mußten modelliert werden, wobei 18 Doubles, also
regelrechte Doppelgänger darunter waren. Beim Brennen springen oder
brechen immer einige.
Bis 28 cm Höhe messen die Figuren, wobei die Bauern etwa 23 cm messen.
Das Schachbrett mißt 160 x 160 cm.
Es war ein erheiterndes Erlebnis als ich die getrockneten Figuren um mich
herum aufstellte.
Während des Modellierens schlüpfte ich in die jeweilige Rolle der
Figuren.
Was denkt ein Bauer ? Eigentlich versteht er nicht viel. Vorwärts heißt
seine Devise, manchmal darf er auch schräg, aber eigentlich weiß er
nicht so recht was ihm geschieht. Einige Ausnahmen sind wohl dabei,
-Angriffsbauern, Strategen. Aber im allgemeinen ist er dem Herrscherhaus
gegenüber loyal, wenn auch leicht gerüchteanfällig.
Die Marschrichtung für Kanonenfutter heißt vorwärts. Also ein Gesicht,
nach vorne gerichtet.
Vom Hofstaat hat jede der Figuren drei Gesichter, da sie sich freier
bewegen können und wegen der Spielübersicht.
Der Springer hüpft im Winkel nach vorne, zurück, wieder nach vorne,
zurück und wohin jetzt ?
Sein Einsatz ist eine einzige Hetze, veranschaulicht durch eine
heraushängende Zunge und ausdrucksstarkem Pferdegebiß. - Denn der
Springer kann einem schon Ärger bereiten.
Der Läufer ist skeptisch. Er ahnt schon seine Opferrolle. Er sucht immer
nach neuen Wegen, den Gegner in Verwirrung zu bringen.
Der Turm ist behäbig, loyal, linientreu, standfest, sozusagen eine Art
Kommerzienrat.
Der König ist der Souverän. Ihm muß man das blinde Vertrauen in seine
Lakaien und seine naive Unkenntnis über die berechnenden Pläne seines
Hofstaates ansehen.
In den Gesichtern der Königinnen muß sich die Raffinesse und die Rolle
der eigentlichen Drahtzieher widerspiegeln.
Bei der Betrachtung des fertigen Ensembles mußte ich feststellen, daß
das Ganze gar nicht so weit weg ist von unserem richtigen Leben. Ich
begann zu spielen und herrlich zu blödeln.
Einige dieser schrulligen Szenen habe ich photographisch festgehalten.
Die entwickelten Photos in ihrer Zusammenschau brachten in meinem Hirn
einen Film mit Opernhighlights zum laufen.
Dennoch, irgend etwas ging mir bei den Photos noch ab, da fehlte noch was.
Meine Rohlingsmeditationen wurden von der Einsicht gekrönt, die Figuren
mit Intellekt zu versehen. Ich setzte den Solisten und Komparsen meines
Opernquerschnitts Brillengestelle auf die Nase. Durch die aufgesetzte
Zeichenweise mittels Lackstiften wirkten die Brillen plastisch.
Die dreidimensional wirkenden Drahtgestelle in Gold veredeln den
rustikalen Quadratschädeleindruck. Jetzt war ich zufrieden.
Nochmals zum
Schachspiel selbst.
Kaum daß das Schachspiel vollendet war haben es sich zwei Freunde
gekauft, die sich jedes Jahr einmal treffen. Sie bringen ihre Mannschaft
mit und spielen, besser gesagt sie blödeln herrlich miteinander.
Doch nun bist Du an der Reihe. Laß Dich von den Bildtiteln inspirieren
und gib` Dich den eigenen Phantasien hin. Sollte Dir auf den Photos jemand
bekannt vorkommen, so ist dies durchaus möglich, aber sei versichert,
Ähnlichkeiten mit lebenden oder verschiedenen Personen sind wirklich
zufällig.
übersetzt aus dem
Bayerischen
von (c) Raimund G.Palm 1999
Ausstellungsdauer:
07.11. - 12.12.99.
Frühere Ausstellungen:
Anne Pincus Sep. 99
Volker Kurz II Aug. 99
100 Jahre Ellingon -
Fotoausstellung von Josef Werkmeister
Volker Kurz
Kathleen Canady